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![]() | Risikofaktor Lieferanteninsolvenz Krisenfestes Beschaffungsmanagement |
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Bis Ende 2009 werde die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland um 10 bis 15 Prozent auf rund 35.000 steigen, prognostiziert Creditreform. Der Verband für Wirtschaftsinformationen schätzt zudem, dass die Unternehmen hierzulande deutlich höhere Forderungsausfälle als im Jahr 2008 verkraften müssen - also weit über 40 Milliarden Euro. Und wenn der Kreditversicherer Euler Hermes recht behält, wird die Zahl der Firmenpleiten im Jahr 2010 weiter auf 38.900 klettern. Dann hätte die Konkurswelle aus der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise fast den Höchststand von 39.470 im Jahr 2003 erreicht, damals hervorgerufen von den Spätfolgen der geplatzten „Dotcom-Blase" und des Terroranschlags vom 11. September 2001. Allein in den letzten 35 Jahren gab es fünf solcher gravierenden Krisen: Neben den zuvor erwähnten die „Ölschocks" in den 1970er und 1980er-Jahren sowie die Rezession in den USA 1993/94. Durchschnittlich also alle 7 Jahre!
Aus diesem Grund sollte sich ein Industrieunternehmen und dessen Einkauf für den Fall der Fälle wappnen. Denn je nach Abhängigkeit vom Lieferanten bedeutet dessen Insolvenz nicht nur einfach den Ausfall von Teilen oder Leistungen. Sie schafft Nachteile für die gesamte Lieferkette des Unternehmens:
Aus solchen Gründen sollte ein strategisches Beschaffungsmanagement aufgebaut werden, das den Konsequenzen von Lieferanteninsolvenzen mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen entgegenwirkt (siehe Grafik) Herzstück davon ist ein ausgefeiltes Risikomanagement zur kontinuierlichen Erkennung und Bewertung von Risiken sowie zu deren Vorbeugung und zur Bewältigung im Ernstfall. Zu all diesen Schritten auf dem Weg zur krisenfesten Beschaffung bietet die Dennso Management Consulting konzeptionelle Beratung sowie systemtechnische Umsetzung samt Implementierung von Risiko-Management-Systemen und Unterstützung beim Turnaround.
Dies ist eine der ersten zentralen Fragen zum Aufbau eines strategischen Beschaffungsmanagements. Erste Antworten gibt die Statistik: Laut Creditreform sorgten Firmen mit bis zu fünf Millionen Euro Jahresumsatz für rund 67 Prozent der Insolvenzen jeweils in den Jahren 2007 und 2008. Nur rund vier Prozent waren es bei Unternehmen mit Umsätzen über fünf Mio. Euro.
Größe oder auch Alter eines Unternehmen liefern aber keine echten Anhaltspunkte für eine akute Insolvenzgefährdung, wie gerade die publik gewordenen Insolvenzen namhafter Konzerne zeigen. Mit folgenden Warnsignalen, insbesondere mit ihrer zunehmenden Häufung, kann sich allerdings eine Krise des Lieferanten abzeichnen:
Diese Symptome, die letztlich in eine Überschuldung und (drohende) Zahlungsunfähigkeit des Lieferanten münden können, gilt es rechtzeitig zu erkennen und korrekt zu interpretieren. Dazu verhilft die regelmäßige Beschaffung zeitnaher und zuverlässiger Informationen über die Unternehmensentwicklung des Lieferanten.
Solche validen Informationen liefern zum Beispiel Ratings unterschiedlichster Art, durchgeführt von Auskunfteien wie Creditreform, D&B, S&P, Fitch, Moody's oder Coface. Mit diesen standardisierten Verfahren wird die Bonität eines Unternehmens, also seine voraussichtliche Zahlungsfähigkeit, festgestellt. Dabei wird die wirtschaftliche Situation des Unternehmens anhand von quantitativen Faktoren wie Betriebsergebnis oder Cash Flow und qualitativen Faktoren wie Unternehmensstrategie oder Managementqualität analysiert.
Für die Kreditvergabe erhalten Ratings zunehmend Relevanz, denn mit Einführung der Eigenkapitalvorschriften nach Basel II müssen sich die Kreditinstitute stärker an der Bonität und dem Risikoprofil des Kreditnehmers orientieren. Die Ratingnote entscheidet über den künftigen Finanzierungsspielraum und damit wesentlich über die Zukunft des Unternehmens. Ratings haben demnach einen gewichtigen Stellenwert auch bei der Einschätzung von Lieferantenrisiken. Ihr Nachteil ist jedoch, dass sie mehr auf Anlegerschutz als auf Unternehmensbewertung ausgerichtet und gerade für kleinere Firmen zum Teil noch nicht verfügbar sind. Auch ist ihre Aktualität zuweilen nicht ausreichend. Ratings sollten deshalb in kritischen Lieferanten- bzw. Produktbereichen durch eigene Erhebungen ergänzt werden.
Dies lässt sich u.a mit Lieferanten-Selbstauskünften bewerkstelligen. Diese erfassen insbesondere die betriebliche Leistungsfähigkeit des Lieferanten und helfen bei der Generierung von Benchmark-Kennzahlen zur Bewertung des gesamten Lieferantenpools, speziell auch mit Fokus auf bestimmte Zulieferbranchen. Im Visier stehen dabei umfassende Informationen über das Unternehmen und die gesamte Supply Chain des Lieferanten, von Vertrieb und Auftragsabwicklung bis zu Beschaffung, Logistik und Produktion.
Jahresabschlussinformationen lassen sich auch auf anderem Weg ermitteln, etwa über den frei zugänglichen elektronischen Bundesanzeiger des Bundesministeriums der Justiz bzw. darin enthaltene Jahresabschlüsse, falls der Lieferant diese veröffentlicht. Dabei sind Daten von besonderem Interesse, die Analysen im Hinblick auf die finanzielle Stabilität des Unternehmens unterstützen, wie z. B.:
Alle Informationen nützen aber wenig ohne den Aufbau eines strategischen Risikomanagements, in das sie einfließen können. Ein solches System ermöglicht es, systematisch und kontinuierlich Schlüsselrisiken zu identifizieren, zu analysieren und hinsichtlich ihrer Konsequenzen für Geschäftsprozesse zu bewerten. Auch dient es zur Vorbereitung von Maßnahmen für den Ernstfall und zur Steuerung von Risiken durch Vorgabe von Verhaltens- und Organisatisationsregeln. Dies betrifft sämtliche direkten und nachgelagerten Risiken auf allen betroffenen Ebenen: von Materialwirtschaft, Produktion und Vertrieb über Unternehmensstrategie und -märkte bis zu Finanzen und Recht.
Mit Hilfe der recherchierten Lieferanten-Auskünfte und dem aufgestellten Risikokatalog lässt sich zum Beispiel das Ausfallrisiko bezüglich aller Artikel bzw. Materialgruppen je Lieferant finanziell und qualitativ bewerten. In Verbindung mit Lieferanten-Ratings und den ermittelten Umsätzen pro Lieferant ist auch effektiv festzustellen, in welchen Fällen sich vorbeugende Beschaffungsmaßnahmen empfehlen wie etwa die Zertifizierung von Alternativ-Lieferanten oder die Vorhaltung eigener Werkzeuge oder Technik zur Sicherung der Produktionsfähigkeit. Der mögliche Handlungshorizont reicht dabei bis zum Monitoring von Risikomärkten, zur Einbeziehung von speziellen Risikoaspekten bei komplexen Sourcing-Entscheidungen oder zur Durchführung von Lieferantentrainings zum Thema Risikomanagement. Welche Möglichkeiten dabei ein technisches Risikomanagement-System bietet, zeigt das Beispiel einer Software-Lösung von Dennso im Auftrag des namhaften Automobilzulieferers RECARO (siehe Infobox).
InfoboxRECARO: Lieferantenfinanzanalyse auf KnopfdruckUm das Ausfallrisiko von Lieferanten zu bewerten, nutzt RECARO seit etwa einem halben Jahr ein „Product Value Management"-Tool zur Produktkostenreduzierung mit der speziellen Funktionalität „Lieferantenfinanzanalyse". Damit werden kontinuierlich lieferantenspezifische Finanzkennzahlen wie etwa Eigenkapitalquote oder Verschuldungsgrad ermittelt und mit Ampelfarben hinsichtlich ihres aktuellen Risikowertes gekennzeichnet. Je nach Risikograd werden zusätzliche Kennzahlen eruiert. Zur Anreicherung dieser Ergebnisse werden auch qualitative Informationen hinzugezogen, etwa die Anzahl bzw. Struktur der Kunden oder Produktlebenszyklen. Die Ergebnisse der Finanzanalyse fließen in eine halbjährliche Lieferantenbewertung ein. Bei Abweichungen der Werte werden vierteljährliche oder monatliche Beobachtungen des betroffenen Lieferanten vorgenommen bzw. bereits vorbereitete weiterführende Maßnahmen samt Begleitrisiken erwogen. Als Quellen nutzt RECARO Jahresabschlüsse der Lieferanten, den elektronischen Bundesanzeiger und in kritischen Fällen Auskünfte von Creditreform. Laut Tobias Müller, Leiter Product Value Management bei RECARO in Kirchheim unter Teck, hat sich die Software bewährt: „Mit diesem elektronischen Frühwarnsystem kennen wir unsere Lieferanten besser als vorher und können deutlich frühzeitiger reagieren. Und der Aufwand ist geringer: Wir wissen quasi auf Knopfdruck Bescheid." |
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