In Teil 1 der Gestaltungsfelder der Digitalisierung ging es um die vertikale und horizontale Integration der internen Prozesse. So können smarte Produkte angeboten werden, die den Wunsch nach individuellen Produkten und schneller Lieferung erfüllen, gleichzeitig aber standardisiert sind. Auch die Abwicklungsprozesse werden optimiert.

STO, CTO, ETO: Geeignete Regeln für Konfigura­tionen finden

Für die Prozessoptimierung der Auftragsabwicklung haben Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, je nach Produkt:

  • Select-to-Order (STO), bei dem der Kunde aus dem Standardprogramm wählt, ist der einfachste Fall
  • Configure-to-Order (CTO) ist komplexer. Hier kann eine bestimmte Produktlinie mit bestimmten Optionen kundenindividuell konfiguriert werden, vergleichbar mit einem Auto Konfigurator. Da gibt es einmal die geschlossene Konfiguration oder die halbgeschlossene Konfiguration, bei der sich auch Sonderwünsche ergänzen lassen.
  • Engineer-to-Order (ETO), die offene Konfiguration. Hier lassen sich ebenfalls durch Standardisierung kundenindividuelle Lösungen bis zu einem hohen Grad über Design-Automation verwirklichen, also auf Basis physikalischer und geometrischer Regeln.
  • Darüber hinaus gibt es typische Sonderlösungen, hier sollten die Anbieter Standardisierungen ableiten, also die vom Kunden gewünschten Individualisierungen – soweit wie möglich – standardisiert zu bedienen.
Ordervarianten

Verschiednene Ordervarianten

Steuerungsstrategie für Produktion und Logistik: Zwei Szenarien

Insgesamt sollten Unternehmen das Ziel verfolgen, die Fertigung entsprechend so auszurichten, dass sie den Markt so wirtschaftlich wie möglich mit möglichst kurzen Lieferzeiten bedienen können.

Für Produktion und Logistik ergeben sich nun zwei Szenarien: Je nachdem ob die Anzahl der für die Produktion notwendigen Teile die Just-in-Sequence-Schwelle überschreitet oder nicht. Ist sie darunter (Fall 1, siehe Abbildung unten): Dann können Firmen verbrauchsgesteuert über ein Kanban- oder Conwip-System fertigen.

Wird die Varianz dafür zu groß (Fall 2, siehe Abbildung unten): Dann muss die Automatisierungspyramide neu definiert werden, um die Produktion „ad hoc“ mit den benötigten Bauteilen zu beliefern.

Die Just-in-Sequenz Schwelle

Die Just-in-Sequenz-Schwelle

Dazu muss die vertikale Integration einen reibungslosen Informationsfluss vom PLM- (Product Lifecycle Management) und dem ERP-System (Enterprise Ressource Planning) bis hin zur Fertigungsebene und wieder zurück sicherstellen. Das heißt, die Maschinen arbeiten auftragsbezogen. Gleichzeitig stehen die Fertigungsdaten in Echtzeit für eine optimale Steuerung einerseits und eine lückenlose Dokumentation andererseits zur Verfügung.

Digitale Services: Sinnvolle Struktur und zentrale Verfügbarkeit

Nach der Fertigung fängt dann das „Leben“ eines Produktes erst richtig an. Jetzt werden die bisher im Prozess entstandenen Informationen sinnvoll strukturiert und können so weiterverwendet werden. Dafür müssen sie also verfügbar sein. Eine ganzheitliche Informationsbereitstellung über ein sogenanntes Data Backbone bietet dann die Grundlage für weitere Services nach dem Verkauf. Diese Leistungen können dann genau auf den jeweiligen Kunden und seine Applikation abgestimmt werden. Beispiele sind Dokumentationen zu einem Gerät, Hinweise zu vorbeugenden Wartungsmaßnahmen oder ähnliches (So etwas funktioniert z.B. über das SAP AIN – Asset Intelligence Network, wie beim Beispiel eines Pumpenbetreibers, siehe Abbildung unten).

 

Fazit: die digitale Transformation als Voraussetzung für zukünftigen Erfolg

Die Umsetzung der vertikalen und horizontalen Integration mit der Optimierung der unternehmensinternen Prozesse ist aufwendig, aber sie bringt Unternehmen dem Ziel näher Kundenwünsche individuell zu bedienen, dabei wirtschaftlich zu agieren und zukunftsorientiert aufgestellt zu sein. Die digitale Transformation ist die Voraussetzung dafür.

 

SAP-AIN–Asset Intelligence Network

SAP-AIN–Asset Intelligence Network