Robotik_als_Vorsorgeuntersuchung

Werden wir in Zukunft von Robotern diagnostiziert? Wie sieht die Zukunft im Vorsorgemarkt aus? Wo liegen die Potenziale? Wo können Probleme auftreten?

Roboter in der Medizin sind nicht mehr wegzudenken. Bereits im Operationssaal sind sie zu finden. Auch der Vorsorgemarkt der Gesundheitsbranche wird sich in Zukunft stark ändern und in Richtung Robotik gehen. Das Budget für digitale Vorsorgeuntersuchungen soll sich mehr als verdreifachen. Bis 2030 wird eine Ausgabensteigerung von ca. sieben auf 23 % in den Bereichen digitale Gesundheit, Prävention und Diagnostik erwartet. In absoluten Zahlen bedeutet dies mehr als eine Verdreifachung auf etwa 2,4 Millionen Euro. Als Projekt ganz vorne: Petra.

Roboter Petra führt Vorsorgegespräche

Kommendes Jahr soll das Projekt gestartet werden und die Robo-Beraterin soll in Kliniken, Apotheken oder großen Ärztezentren aufgestellt werden – kostenlos!

Petra stellt sich ihren Patienten höflich vor, um danach direkt in einen Gesundheitscheck überzugehen. Fragen nach Alter, Gewicht, Medikamenteneinnahmen, Herzrasen, Haarausfall – klingt nach einem ganz normalen Arztbesuch? Der Unterschied: Petra ist ein Roboter. Programmiert von der schwedischen Landesgesellschaft von Merck hat Petra eine bestimmte Aufgabe – sie soll Schilddrüsenerkrankungen erkennen und den Vorsorgemarkt verbessern.

Schätzungen zu Folge sind weltweit ca. 200 Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen und rund 60 % sind sich dessen nicht bewusst. Dies liegt unter anderem daran, dass Schilddrüsenerkrankungen nicht bei allen Ärzten auf der Agenda stehen.

Die schwedische Firma Furhat Robotics hat Petra entwickelt, um Vorsorgebefragungen durchzuführen, die Schilddrüsenerkrankungen diagnostizieren können. Nach heutigem Stand dauert eine solche Diagnose bis zu vier Jahren.

Neugierde lockt zur Befragung

Petra, die sprechende Büste, weckt die Neugierde vorbeilaufender Menschen. Die Bereitschaft, sich mit Petra auf ein Vorsorgegespräch einzulassen ist hoch. So soll, durch den Dialog mit der Maschine, bei mehr Menschen früher abgeklärt werden, ob eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt.

Bereits 24.000 Menschen nahmen an dem digitalen Symptomcheck teil. Mehr als die Hälfte gaben hierbei Symptome an, die auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen könnten.

Merck hofft auf eine Refinanzierung, wenn perspektivisch mehr Menschen die Medikamente des Unternehmens verordnet bekommen. Unter anderem wären dies Medikamente gegen die Schilddrüsenunterfunktion, an der im Alter vom 60 ca. 25 % der Menschen leiden.

Das Petra-Projekt ist überall einsetzbar. Sie spricht viele Sprachen, hat einen Touchscreen, falls die Spracherkennung Unterstützung braucht, sie hat mehr als 50 verschiedene Gesichter und auch die Stimme kann sowohl männlich als auch weiblich sein. Persönliche Daten – so Petra – werden bei dem Vorsorgegespräch nicht gespeichert.

Die Zukunft des Vorsorgemarktes?

Natürlich kann das Petra-Projekt einen richtigen Arztbesuch noch nicht ersetzen. Doch das Potenzial ist groß! Menschen, die bisher nie oder zu spät zum Arzt gehen, werden in ihrer eigenen Gesundheitskompetenz gestärkt und schneller diagnostiziert.

Aus einer Stimme lesen wir schon heute digitale Biomarker aus, die man sehr gut mit mentalen Krankheiten korrelieren kann. Emotionen und Symptome könnten einen technisch unterstützten Anamnese- und Diagnose-Prozess weitaus differenzierter auswerten, als ein allgemeiner Hausarzt. Soweit sind die technischen Möglichkeiten schon heute. Die Frage der Akzeptanz und Datensicherheit bleibt bisher offen.