Innovation_nicht_ohne_Wachstum

84 % der Entscheider halten Innovationsfähigkeit von Unternehmen für wichtig bis sehr wichtig. Aber nur 37 % der Entscheider sind mit der Innovationskraft ihrer Unternehmen zufrieden. (Industrie-Innovationsindex 2017, Kantar Emnid). Doch in vielen Firmen werden aus Ideen keine Innovationen. Wie kommt das?

Angenommen, Sie würden rein gar nichts vom Segeln verstehen: Wie groß schätzen Sie Ihre Chancen bei den Segelweltmeisterschaften ein? Richtig, sie wären gleich null. Glauben Sie, dass sich Ihre Chancen dadurch erhöhen ließen, wenn Sie das weltbeste Segelschiff kaufen würden? Nein, sicherlich nicht.

Doch genau diesem Irrtum verfallen sehr viele Unternehmen, wenn es um das Innovieren geht. „Wir gründen ein Innovation Lab mit hippen Möbeln, bunten Wänden und vielen Post-its, und dann werden wir innovativ“, „Wir stellen einen Innovationsmanager ein“. Es werden Inkubatoren und Akzeleratoren ins Leben gerufen und das Top-Management in Silicon-Valley zum rund reisen geschickt. Economy Flug, billig Hotels natürlich – das unterstreicht die „Gründerstimmung“. Es gab sogar künstlich erzeugte Situationen, in denen Mitarbeiter in Garagen oder Container geschickt wurden, um in der dieser Arbeitsatmosphäre zu Teams zu werden. Frei nach dem Motto: Man betritt eine Garage und wird damit automatisch zum neuen Steve Jobs, Bill Gates oder Robert Bosch.

Das alles dem Dogma folgend: Teure, hippe Ausrüstung macht den Meister. Solche Bemühungen neigen dazu, zu reinem Innovationstheater zu verkommen.

Seit Jahren konnten wir in die etablierten Unternehmen schauen. Hier treffen wir wiederkehrende Aspekte, die unbeabsichtigt, zu Innovationstheater führen. Und vorweggenommen eine Erkenntnis, die Basis für das Vermeiden des Innovationstheaters ist:

„Die Digitalisierung ändert nichts an den Grundprinzipien unserer Wirtschaft, aber alles bezüglich unserer Veränderungskompetenz und unseres Führungsverständnisses.“

Anbei möchten wir 4 Aspekte mit Ihnen teilen, die Unternehmen häufig ins (unbeabsichtigte) Innovationstheater führen.

1. Falsches Verständnis des Innovationsprozesses

Heute herrscht noch immer die weitverbreitete Meinung vor, dass es für eine erfolgreiche Innovation zuerst die eine gute Idee braucht und – hat man sie erst einmal gefunden – diese dann nur noch umgesetzt werden muss. Dieses Missverständnis führt zu einem regelrechten Ideen-Sammelwahn.

Erfolgreiche Innovationen können allerdings nur entstehen, wenn der Umsetzungsphase eine längere Entdeckungsphase vorangestellt wird. In dieser Phase wird mit zahlreichen Hypothesen, Experimenten gearbeitet, die Frage nach dem „Machen wir das Richtige?“ beantwortet, bevor in der Umsetzungsphase der Frage, wie „Es“ richtig gemacht wird, nachgegangen werden kann.

2. Innovieren neben dem Tagesgeschäft

Bis heute herrscht der Glaubenssatz in vielen Unternehmen, dass die wichtigste Zutat einer Innovation nur eine gute Idee ist. Der daraus entstehende Fehlschluss: Um auf diese gute Idee zu kommen, benötigen Mitarbeiter kaum Freiraum. Deshalb kann Innovation neben dem Tagesgeschäft entstehen. Hier wird Kreativität mit Innovation verwechselt. Doch selbst, wenn eine gute Idee reichen würde, würden alle Ressourcen vom Tagesgeschäft vereinnahmt werden. Gute Ideen werden möglicherweise viele erzeugt, aber keine davon annähernd umgesetzt. Die meist hochtalentierten Mitarbeiter dieser Abteilungen gehen und gründen meist dann eine neue Firma. Neulich wieder in der Automobilindustrie zu beobachten gewesen.

3. Das Innovieren ist das Privileg von Genies und Querdenkern

Wenn es um die Rollen und Aufgaben rund um das Thema Innovation geht, treffen wir in Unternehmen fast immer eine von drei Situationen vor: Entweder es ist niemand offiziell für dieses Thema verantwortlich, aber man sei offen für neue Ideen. Oder Innovation wird zur Aufgabe aller im Unternehmen erklärt. Die dritte Situation, auf die wir häufig stoßen, ist die Konzentration dieses Themas auf Querdenker der Forschung und Entwicklungsabteilung. Oder die Geschäftsleitung ernennt einen Innovationsmanager, Chief Digital Officer oder ähnlich. Und dann schaut man, was passiert.

4. Innovieren in einer strengen Effizienz-Kultur

Eine Ursache der mangelnden Innovationsfähigkeit ist die Anwendung der klassischen Managementschule im falschen Kontext. Clayton M. Christensen aus Harvard führt hier die Begriffe der „Innovation School (I)“ und der „Business School (B)“ ein.

Innovationslab_Marketing

Die übliche Managementschule wurde eben nicht entwickelt, um die Innovationsfähigkeit zu steigern.

„ Management theory was developed to solve the large-company
management problem and not the innovation problem.“
(Clayton M. Christensen)

Wir werden mit Methoden der Vergangenheit nicht die Probleme der Zukunft lösen, dies ist intellektuell nicht bestritten. Dies hindert uns leider nicht daran, an alten Verhaltensmustern und Strukturen festzuhalten.

Sind Innovationlabs, Akzeleratoren nun Innovationstheater oder nicht?

Verstehen Sie uns nicht falsch, wir verwenden selbst sehr erfolgreich Methoden wie: Business-Model-Canvas, Story-Maps oder Workshop-basierte Methoden wie das Event Storming. Das Gleiche gilt beispielsweise auch für das Design Thinking, oder die LEGO® Serious Play® Methode. Mit unseren Corporate Venturing-Angebot übernehmen wir auch unternehmerisches Risiko und haben einige Unternehmen mitgegründet und zum Erfolg geführt.

Allerdings zäumt man das Pferd von der falschen Seite auf, wenn man erst die Innovations- und Kreativitätswerkzeuge auswählt, und dann im Nachgang überlegt, was man denn jetzt damit eigentlich alles machen möchte. Entscheidend ist zunächst zu erkennen, welche Herausforderung man angehen möchte und einen validen Innovationsprozess, von der Exploration bis zum „Going Live“ zu etablieren. Denn Innovation erfordert eiserne Disziplin.

 

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